IBSA EM in Rodos
IBSA EM in Rodos
Morgen, 6. Juni ist es soweit! Ich fliege mit Patrick Pauchard (Guide) Manuel Beeler (Athlet) und Hubert Pauchard (Coach) an die Europameisterschaft vom 7. - 14. Juni nach Rodos.
Dies wird auf alle Fälle eine spezielle Europameisterschaft.
- Körperlich fehlt mir ein grosser Teil des Winteraufbautrainings,
- als Guide wird es für Patrick eine neue Erfahrung sein
- für alle Athleten eine EM , die früh in der Saison statt findet.
Für den Weitsprung zählen für mich technische Inhalte. Ich versuche technisch gut zu springen und dann kommt die Weite von alleine.
Ich liste hier noch meine Startzeiten auf, damit ihr wisst, wann ihr mir den Daumen drücken dürft.
Montag, 8. Juni
9.30 Uhr 100m Vorlauf
17.20 Uhr 100m Halbfinal Serie 1
17.25 Uhr 100m Halbfinal Serie 2
Dienstag, 9. Juni
17.20 Uhr Weitsprung Final
18.50 Uhr 100m Final B
18.55 Uhr 100m Final A
Freitag, 12. Juni
9.30 Uhr 200m Halbfinal Serie 1
9.35 Uhr 200m Halbfinal Serie 2
Samstag, 13. Juni
10.00 Uhr 200m Final B
10.05 Uhr 200m Final A
äTagebuch:
Samstag, 6. Juni
Anreise
Die Anreise verlief wie immer... Wir hatten einen guten Flug mit ein wenig Turbulenzen. In Rodos wurden wir diesmal direkt vor dem Zoll zum Auto geführt. Also wir mussten nicht mal den Pass zeigen!
In Rodos empfing uns warme Temperaturen und viel Wind.
Natürlich wartete im Hotel ein Freund und Konkurrent aus Griechenland auf uns, der uns herzlich begrüsste.
Von Zimmer aus haben wir herrlichen Blick auf das klare Meer, da mussten wir einfach kurz die Füsse reinstrecken...
Nach dem Nachtessen sanken wir in den Schlaf.
Sonntag, 7. Juni
Training und Eröffnungsfeier
Am morgen besichtigten wir das Stadion und trainierten noch für den Wettkampf. Wir freundeten uns mit der Anlage an. Die Weitsprunganlage ist sehr breit! Das freut mich um so mehr! Aber im Training lief es sehr gut! Ich wäre sogar mit eine einer Bahn ausgekommen.
Die Temperaturen sind sehr drückend aber herrlich!
Wir trinken sehr veil, da sonst die Kehle sehr schnell trocken ist.
Der Nachmittag genossen wir noch etwas an der Sonne und im Meer!
Am Abend feierten wir in einer mächtigen Burg die Eröffnung der Europameisterschaft. Patrick und ich hatten die Ehre die Landesflagge zu tragen.
Danach gab es noch etwas musikalische Unterhaltung.
Montag, 8. Juni
1. Wettkampftag
Am Morgen kurierte sich Pädu noch aus von der Nacht. Ihm waar es übel, wahrscheinlich, weil er etwas unverträgliches gegessen hat oder zu viel Salzwasser geschluckt hat.
Es ging ihm nach und nach besser. So dass er für den 100m wiederum einsatzbereit war.
Der Bus kam mit einer Verspätung zum Hotel und führte uns ins Stadion. Doch dies störte uns nicht enorm. Wir befestigten die Startnummer noch im Hotel und gewannen daher wiederum Zeit.
Der Callroom war nur ein Zelt in dem man seine Presenz für die Disziplin abkreuzen konnte und Pädu seine Guideveste gegen die Akredetierung bekam.
In der Ersten Serie flogen der eine Athlet von Zypern heraus, da sie zweimal einen Fehlstart verursachten. Von Auge sah man nichts aber auf der Kamera der elektronischen Messung.
In der zweiten Serie Starteten ich und Pädu auf Bahn 7 und 8. Bei uns klappte der Start aufanhin. Mit 12.64s lief ich eine Zeit, die sich auf alle Fälle verbessern lässt. Dies kann ich morgen im B Final, in dem ich als Favorit gelte.
Dienstag, 9. Juni 09 2. Wettkampftag
Am morgen ruhten wir uns noch etwas aus.
Um 15 Uhr wollten wir den Bus ins Stadion nehmen. Da dieser bekanntlich nicht um 15 Uhr fahren wird, dachten wir, 15.30 Uhr reicht auch noch. Aber auch um 15.30 Uhr war keiner da. Etwa um 15.50 fuhr einer vor.
Im Stadion wärmten wir uns auf. Und wir simulierten auf der Bahn zwei Anläufe, die korrekt verliefen.
Direkt vor dem Wettkampf kontrollierten wir ob die Anlauflänge in Ordnung ist. Dies war eigentlich auch ok. Ich zog kurz eine kleine Kurve am Ende aber nichts dramatisches.
Der Wettkampf konnte mit 4 Athleten am Start beginnen. (Atanasius Barakas, Xavier Porras, ein Russ und ich.)
Der russische Athlet kam aus der Kategorie F12 und ist seit diesem Jahr F11. Ein schneller Athlet, wie wir im 100m feststellen konnten.
Nach Vorgabe, hat er eine momentane Weite von 5.60m.
Ich begann den ersten Sprung mit 5.09m. Also nicht ganz das was ich drauf habe. Der zweite ging schon etwas weiter auf 5.23m, der Dritte auf 5.45m. Mit Dieser Weite lag ich noch auf Platz 4. Der russische Athlet hat bereits 5.71m. Ich zweifelte ehrlich gesagt schon etwas an mir. Da weckte ich mich emotional auf. Um es schnell zu erzählen, waren die nächsten drei Sprünge leider alle ungültig. Die letzten zwei Schritte zog ich etwas nach links heraus, da ich im Kopf den Sprung vorbereitete und unbewusst Kraft in den rechten fuss gebe.
So lag der Fuss nur gerade 2cm neben der Zone. Die Weite wäre über dem Russ gewesen.
So habe ich mal wieder eine Medaille verschenkt.
Dies ärgerte mich natürlich sehr und ich bin auch sehr, sehr sehr, sehr enttäuscht. Wieder ein negatives Erlebnis, was mich im ersten Moment zur Frage gebracht hat, ob ich wirklich bis London noch so weiter machen möchte.
Dies ist natürlich gerade im ersten Moment eine Frage die sich stellt, die ich aber nicht bejahen werde. Ich mache klar bis London weiter. Aber dies zeigt, dass etwas nicht stimmt. Heute, zwei Tage danach, weiss ich, dass die Freude am ganzen etwas verloren gegangen ist. Leider. Da ich den Medaillenchancen näher gerückt bin, ist mein Druck gestiegen. Davon möchte ich mich lösen und nur einfach wieder Weitsprung machen und Freude haben. Egal ob ich letzter bin. Hauptsache ich kann Freude am Springen haben, Freude an der Teilnahme haben und Freude an meiner Leistung haben.
Natürlich ist auch diese Saison nicht ganz optimal verlaufen. Vieles ist nun neu entstanden.
Meine geliebte Tochter Seraina, die Ehe mit meiner liebsten und sehr geschätzten Frau Sonja und das die Idee den Sport etwas zu professionalisieren mit dem Team London 2012.
Aber der Spass, so habe ich gelernt, muss zu oberst sein!
Mittwoch, 10. Juni
Mit einem Uso zuviel im Kopf erwachte ich und machte mich frisch für den morgen.
Wir wollten den Morgen nützen um Rhodos zu betrachten, einige Souvenirs für die Daheimgebliebenen zu sichern und allenfalls noch Schweizergrüsse ausrichten.
Die Altstadt von Rhodos ist sehr schön, vor allem der Boden, mit den kleinen verzierten Steinen, die ein grosses Muster darstellen. Kleine Geschäfte reihen sich aneinander, in denen griechische Souvenirs kaufen kann. Da aus den Boxen ertönt griechische Musik und dort wird man auf ein Restaurant oder ein Geschäft aufmerksam gemacht.
In einem Geschäft arbeitete der Vater von Barakas, dort wollten wir einen kleinen Besuch machen, da er nicht da war, luden die Geschäftsinhaber uns zu einem Drink ein. Wir plauderten etwas und verpassten Jolly und Pädu, die noch bei einem anderen Geschäft waren. Da sie uns suchten und uns ein SMS sendeten, wo wir nun sind, mussten wir gehen und sie suchen. An einem anderen Geschäft wurden wir angesprochen, ob wir auch an der Eröffnungsfeier waren. Die Frau, die uns das gefragt hat, war nämlich die Mutter der wunderbaren Sängerin. Auch sie lud uns diesmal zu viert zu einem Drink ein.
Nach einer Weile, mussten wir aufbrechen, da wir noch die letzten Souvenirs kaufen wollten und auch mal wieder ins Hotel zurück sollten, schliesslich hatte Manuel noch den 400m Lauf am Abend.
Im Hotel stellte Pädu fest, dass sein Natel weg ist. Er meint im dass er es im Taxi verloren hat.
Am Abend trainierten Pädu und ich noch für den 200m. Manuel stieg nach 100m aus dem Rennen aus, da er die Kraft für den 800m sparen möchte.
Am Abend liess ich mich noch von der England-Schweizerin Sara, die Physio bei den Engländern ist noch behandeln.
Donnerstag, 11. Juni
Heute morgen schrieb ich noch das Tagebuch und mir wird immer mehr bewusst, dass ich wiederum mehr Freude am ganzen haben muss. So wird dies mein oberstes Credo. Klar gehört auch mal Verbissenheit, aber im Weitsprung möchte ich Freude spüren. Ich hab das schon noch in mir aber an den Grosswettkämpfen, geht diese in die Ferien...
Am morgen haben wir noch ein kleines Footing gemacht und an der Animation teilgenommen.
Zuerst standen wir nur zu Dritt im Wasserbecken, doch plötzlich sammelten sich bis zu 25 Personen im Wasser an. Waren wir die Lockvögel?
Am Abend feuerten wir im Stadion Manuel Beeler in seinem 800m Lauf an. Er lief ein taktisches gutes Rennen und konnte sich so die Bronzemedaille sichern. Seine erste grosse Meisterschaftsmedaille! Herzliche Gratulation!
Freitag, 12. Juni 09
Früh am morgen läutete der Wecker. “Endlich!“ jetzt darf ich etwas lauter sein. Ich war nämlich schon seit etwa 3 Stunden wach... Um 7 Uhr waren wir die ersten beim Frühstück und erwischten anschliessend den ersten Bus ins Stadion. Hubert gab uns noch die Startliste durch. Wir waren in der ersten Serie die so wie es aussieht die schnellere ist. Wir waren mit den schnellen Franzosen und die Portugiesen, die schnelleren? Dies wussten wir nicht.
Unser Ziel war es sich für den A-Final zu qualifizieren.
Wie immer war ich nervös, aber so stark nervös, war ich schon länger nicht mehr. Daher war der Start nicht gerade optimal. Ich ging etwa so aus dem Startblock wie etwa man sagen könnte, „ok, gehen wir mal...“ die in den ersten 50m hatte ich noch leere Beine, aber dann konnte ich die Nervosität langsam wegstecken Auf der Zielgerade feuerte mich Pädu noch an. Wir kamen sogar den Schnellen Franzosen nach, ja sogar fast eingeholt. Sie hatten eine Verletzung. Im Ziel hörte ich links und rechts nach 1 bis 2 Sekunden später noch zwei Teams ankommen. „Wie? Wir waren als zweite im Ziel?“
Dies freute mich sehr! Also sind wir sicher im A-Final. Die schnellen Portugiesen waren in der zweiten Serie.
Die Franzosen wurden noch disqualifiziert, da anscheinend der Guide mal vorne war.
Später legten die Franzosen Protest ein, da dies auf Grund der Verletzung war. Also aus einem guten Grund.
Samstag, 13. Juni
Der Protest wurde für die Franzosen gut geheissen. Aber wie fit sind sie? Wie fest beeinträchtigt sie die Verletzung?
Die Französische Physio erzählte uns, sie habe muskulär nichts gefunden, aber er könne das Bein nicht ganz öffnen. Na ja mal sehen...
Silber oder Bronze lag also im möglichen Bereich. Wir müssten einfach die Zyprioten im Schacht halten und selber keine Dummheit machen!
Diesmal kamen wir sehr schnell und explosiv aus dem Startblock heraus. Aber nach 5m wurden wir alle zurückgeschossen. Fehlstart? Von wem? Hubert hatte schon uns im Verdacht und biberte etwas...
Nein – niemand löste den Fehlstart aus. Der Grund war ein technisches Problem.
Was einmal gelang, gelingt doch sicher auch ein zweites Mal.
Der zweite Versuch klappte und wir kamen wiederum explosiv aus dem Start heraus.
Nach 100m konnte mir Pädu sagen, dass wir die Bronze auf sicher haben. Also weiter so. Wir kamen sogar den Portugiesen näher.
Aber um diese einzuholen reichte es nicht mehr. Und die Franzosen? Sie gewannen mit einer sehr guten Zeit das rennen. Und die Verletzung? Die schien er nicht mehr zu spüren. Dies war wohl wirklich nicht so schlimm. Super. Das freute mich für sie. Aber meine Freude galt natürlich mehr meiner erreichten Medaille!
Der beste europäische, weisshäutige Sprinter über 200m!
Bei der Zeremonie bekam sogar Pädu eine Medaille! Das erste Mal an einem Wettkampf, bei dem der Guide auch eine Medaille bekommt! Ich finde das richtig! Er ist schliesslich auch die 200m gerannt!
Am Abend machte sich jeder frisch und hübsch für die Abschlussfeier. Wir wurden an einen wunderschönen Platz geführt. Dies kam einer Arena gleich mit neu aufgebauten Säulen. In der Mitte standen schön und reich gedeckte Tische. Leider wurde uns zuvor nicht gesagt, dass es an dieser Feier auch etwas zu essen gab. So assen alle zuvor im Hotel. Schade, es sah wirklich sehr gut aus!
· Die Musik kitzelte allen in den Beinen, so das bald alle in Bewegung waren. Es war eine ausgelassene und coole Stimmung im Gange.
Sonntag, 14. Juni
Um 10.35 Uhr hiess es endgültig von Rhodos Abschied zu nehmen. Über Athen flogen wir nach Zürich.
Zuhause wurden wir von unseren liebenempfangen.
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